Text für das Jahr 2021

Liebe Longericher und Longericherinnen!  

„Aus seiner Fülle haben wir ja alle empfangen, Gnade um Gnade.“ (Joh. 1,16)

Gott hat uns mit seiner Gegenwart in der Tora und in Jesus Christus (Joh.1,17) überreich beschenkt. Alle Menschen sind als Gottes Ebenbilder geschaffen und als solche gesegnet (Gen1,27+28): Die Fülle ist da, für jeden Menschen erfahrbar! Wir können aus dem Vollen schöpfen.

Ist das Glas halbvoll oder halbleer?  Sehen wir ein Plus oder ein Minus als Vorzeichen unserer Biographie?

Lesen wir unsere Lebensgeschichte vor allem als Opfergeschichte, als eine Kette von Entbehrungen und Misserfolgen, als Ergebnis eigener harter Anstrengung? Oder lesen wir sie in erster Linie als Segensgeschichte, als eine Kette von göttlichen Zuwendungen, die uns immer wieder aufgerichtet und geheilt haben? Kreisen wir gedanklich um den Mangel oder konzentrieren wir uns auf das unverdientermaßen Geschenkte? Frustriert von vielen coronabedingten Absagen, habe ich mich über alles gefreut, was manchmal unerwartet doch stattfinden konnte. Motivierend waren die vielen dankbare Reaktionen auf unsere Hilfsangebote an SeniorInnen.

Wir müssen nicht zwanghaft alles nur noch positiv sehen. Es gibt unverheilte Wunden, ungelöste Probleme, beschädigten Beziehungen und Fragen nach dem Warum und Wozu. Aber es gibt in jedem Leben auch gute Fügungen, Trost- und Krafterfahrungen.

Bernhard von Clairvaux (Zisterzienzerabt,12.Jh.) hat ein schönes Bild für christliches Leben gefunden: „Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt, während jene wartet, bis sie gefüllt ist. Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter. Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen, und habe nicht den Wunsch, freigiebiger zu sein als Gott…“

Wenn wir randvoll sind mit Segenserinnerungen, sättigenden Himmelsgeschichten und- liedern, mit positiven Worten, einladenden Bildern und gesunder Nahrung, können wir mit eigenem Mangel anders umgehen und zu Mangelbeseitigern für andere werden. Randvoll mit Gutem, können wir Gutes tun. Davon erzählen etwa die Geschichten der Speisung der 4000 bzw. 5000 (z.B. Joh. 6,1ff.). Wenn wir randvoll mit Liebe sind, können wir überlaufen. Die Liebe kann zu anderen fließen, ohne dass wir uns beraubt oder ausgenutzt fühlen. Wie werden wir zu überlaufenden Schalen?

Wir können den Blick auf die Segensspuren in unserem Leben einüben und wir können beten, denn „Euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet.“ (Matth. 6,6). Beten heißt, sich mit Liebe füllen lassen.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen und Euch ein gesegnetes Neues Jahr!

Pfarrer Jürgen Mocka

  • © 2018 Immanuel-Gemeinde Köln-Longerich
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