UNSER GLAUBE in CORONAZEITEN III:

Text der OSTERVIDEOBOTSCHAFT von Pfarrer Jürgen Mocka am 12.4.2020

1. Seien Sie an diesem außergewöhnlichen Osterfest aus der Immanuelkirche in Köln- Longerich gegrüßt! –  Es gibt erstaunliche Berührungspunkte zwischen unserer Situation und den Ostergeschichten der 4 Evangelien. Unsere Kirche ist heute Morgen leer. Auch das Grab Jesu ist leer als einige Frauen kommen, um seinen Leichnam zu salben. Boten Gottes, Engel sagen den Frauen: „Er ist nicht hier, sondern er ist auferweckt worden!“ Sie werden aufgefordert, nach Galiläa zu gehen. Ihnen wird versprochen, dass sie ihm dort begegnen werden.

Wenn wir Gottesdienste feiern, hoffen wir fest darauf, dass Christus unter uns ist, ganz besonders intensiv beim Abendmahl. Aber zurzeit können wir keine Gottesdienste feiern. Wo können wir Christus begegnen?

Ich glaube, dass die empathische Kraft des Auferstandenen jetzt vor allem bei den Menschen ist, die Angst haben, weil sie krank sind oder fürchten, dass ihnen bald das Geld für den Lebensunterhalt fehlt.

Ich glaube, dass der Lebendige jetzt auch besonders den Sterbenden und Trauernden tröstend nahe ist. Und: ER begleitet die, die anderen helfen. Das tun viele bis zur Erschöpfung.

2. Wir werden jetzt seit einigen Wochen herausgefordert, räumlichen Abstand einzuhalten. Gleichzeitig ist es um so wichtiger, in Verbindung zu bleiben. Diese Herausforderung besteht für unser Glaubensleben immer schon. Wir können Christus weder sehen und riechen noch anfassen. Das macht uns oft zu schaffen und lässt Zweifel entstehen. Trotzdem können wir betend in Verbindung bleiben. In der Ostergeschichte des Johannesevangeliums (20,11-18) wird erzählt, wie Maria aus Magdala zum Grab Jesu kommt. Sie weint, weil es leer ist und sie nicht weiß, wo der Leichnam ist. Zwei Engel beginnen ein einfühlsames Trauergespräch. Als sie sich vom Grab wegdreht, steht da plötzlich ein Mann. Sie hält ihn zunächst für den Friedhofsgärtner. Als sie mit ihrem Namen angeredet wird, erkennt Maria, dass es Jesus ist. Sie redet ihn mit „Rabbuni“ (=mein Lehrer) an. Eine innige Wiedersehensumarmung würde jetzt gut passen. Aber Jesus sagt sofort:
„Fass mich nicht an! Ich gehe hinauf zu meinem und zu eurem Vater, zu meinem und zu eurem Gott.“ „Rühre mich nicht an!“ „Halte mich nicht fest!“.
Damit sagt Jesus ihr: „Unsere Gemeinschaft kann nur lebendig bleiben, wenn wir Abstand halten.“
Ähnliches passiert den Emmausjüngern (Lukas 24). Unerkannt begleitet sie Jesus auf ihrem Heimweg von Jerusalem. Als sie ihn am Abend an der Art und Weise des Brotbrechens endlich erkennen, entzieht er sich ihnen sofort. So sehr wir uns jetzt nach Begegnungen und Berührungen sehnen: Die Liebe kann trotz Abstand lebendig bleiben. Auch in „normalen“ Zeiten der Nähe ist regelmäßige Distanz für die Liebe wachstumsfördernd. Zurzeit erleben wir, wie sehr ein Brief, ein Anruf, eine Mail oder eine whatsapp-Nachricht uns ganz intensiv mit anderen verbindet und den Zusammenhalt wachsen lässt. Kleine Kinder freuen sich heute über versteckte Süßigkeiten, obwohl sie den Osterhasen nicht sehen und anfassen können.

An diesem außergewöhnlichen Osterfest können wir uns vor Augen halten, dass diese Krise irgendwann vorbei ist! Und wir dürfen uns an das Versprechen des Auferstandenen, das auch an unserer Kirchentür zu lesen ist, festhalten: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.“
Das gilt für jeden einzelnen Coronatag – überall!
Ich wünsche Ihnen Gesundheit an Leib und Seele und in Ihren Beziehungen!

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